Tech-Giganten zählen auf Bitcoin

Die Technologie-Giganten Intel und IBM wollen Bitcoin-Experten einstellen, doch ihr Interesse liegt eher in deren öffentlichem Wirtschaftsbuch und weniger in der Crypto-Währung selbst.

Laut verschiedenen Berichten, durchforsten Intel und IBM den Arbeitsmarkt nach Bitcoin-Experten. Wir sind uns nicht ganz sicher, warum diese zwei Technologie-Giganten sich für die Crypto-Währung interessieren, daher haben wir unseren eigenen Bitcoin-Experten Stefan Tanase dazu befragt.

Laut Stefan Tanase, Senior Security Researcher im Global Research and Analysis Team (GReAT) von Kaspersky Lab, geht es den beiden Firmen weniger um die unbeständige Crypto-Währung, sondern mehr um BlockChain.

Tanase dazu: „Etwas, das nicht viele Menschen – selbst absolute Bitcoin-Fans – realisieren, wenn sie von der ‚Crypto-Währungs-Revolution‘ sprechen, ist, dass die eigentliche Innovation hier nicht Bitcoin oder Litecoin selbst sind, sondern die Blockchain-Technologie.“

Bitcoin ist eine dezentralisierte Crypto-Währung, die online anonym gehandelt werden kann. Die Technologie im Kern der Währung ist BlockChain, das als dezentralisiertes Transaktionsarchiv für die Währung dient. Die Befürworter loben Bitcoin, weil die Währung nicht von einer Regierung kontrolliert wird oder an eine nationale Währung oder eine Staatskasse gebunden ist. Die Gegner sagen dagegen, dass sie vor allem für den Online-Handel mit Drogen, Waffen und anderen illegalen Gütern verwendet wird. Diese Behauptungen schließen sich nicht gegenseitig aus. Beide Argumente sind gleich richtig.

Wie auch immer man über Bitcoin denken mag, BlockChain ist auf jeden Fall faszinierend. Einfach gesagt, ist BlockChain die offizielle Bilanz aller Bitcoin-Transaktionen. Jeder neue Block zeichnet alle Transaktionen auf, die seit der Erstellung des vorherigen Blocks gemacht wurden und enthält auch alle Transaktionen, die von den vorhergehenden Blocks repräsentiert wurden.

Jeder neue Block enthält also die gesamte Historie der Bitcoin-Transaktionen. Die Erstellung dieser Blocks basiert vor allem auf Spieltheorie. Deshalb verwenden Bitcoin-Fans oder Gruppen Computer-Ressourcen zum Lösen hochkomplizierter arithmetischer Probleme, die kryptographisch verifiziert werden können, um neue Blocks zu erzeugen. Die Block-Ersteller bekommen dafür neue Bitcoins.

Der Zweck von BlockChain ist es, das doppelte Ausgeben von Bitcoins zu verhindern. Es ist ein Verteidigungsmechanismus, der die Integrität der Währung sicherstellen soll. Und das funktioniert auch. Nicht über ein traditionelles Autoritätsmodell, sondern – wie Rick Falkvinge, der schwedische Gründer der Piratenpartei, es so schön sagte – über ein verteiltes System des Vertrauens.

Stefan Tanase erklärt, dass die BlockChain-Technologie so leistungsfähig sei, da sie im Grunde Peer-to-Peer-Netzwerken ermögliche, eine öffentliche Datenbank und ein Transaktionsbuch zu hosten, wobei die Integrität und Vertrauenswürdigkeit der Daten ohne Beteiligung einer zentralen Autorität, dafür durch Verschlüsselung sichergestellt werden.

Etwas, das nicht viele Menschen realisieren, ist, dass die eigentliche Innovation nicht Bitcoin oder Litecoin selbst sind, sondern die Blockchain-Technologie.

„Im Fall von Bitcoin wird die BlockChain-Technologie verwendet, um das Bitcoin-Transaktionsbuch zu verwalten“, so Tanase. „Doch BlockChain kann auch – und nicht nur – für Kaufverträge, Wahlen und Domain-Namen verwendet werden.“

Revolutionär oder nicht, wie bei allen Dingen im Internet, muss sich auch BlockChain den Fragen zur Sicherheit stellen. Eine aktuelle, gemeinsame Untersuchung von Kaspersky Lab und Interpol, die auf der Black Hat Asia vorgestellt wurde, zeigte, dass auch BlockChain Sicherheitslücken hat.

BlockChain lässt in den verschlüsselten Transaktionen des Archivs Platz für separate Datenspeicher, Referenzen oder Hostings. Der Kaspersky-Experte Vitaly Kamluk und Interpol haben festgestellt, dass diese Funktion Probleme bringen kann. So könnte es für Angreifer möglich sein, Schadprogramme in das permanente BlockChain-Archiv zu injizieren. Bisher ist keine Möglichkeit bekannt, wie so ein eingefügtes Schadprogramm wieder entfernt werden kann. Zudem ist es auch möglich, dass Maschen zum Hosting und dem Handel beleidigender Bilder auftauchen.

Insgesamt könnte diese Sicherheitslücke in BlockChain die Übertragung schädlicher Daten in einem verschlüsselten, aber zentral gelagertem und überall erhältlichem Format ermöglichen.

„Das Prinzip unserer Forschungsarbeiten ist es, vor potenziellen zukünftigen Bedrohungen zu warnen, die von dezentralisierten Systemen wie BlockChain ausgehen“, so Vitaly Kamluk. „Auch wenn wir generell BlockChain-basierte Innovationen unterstützen, denken wir, dass es unsere Pflicht als Teil der Sicherheitsgemeinschaft ist, den Entwicklern solcher Innovationen dabei zu helfen, solche Technologien zukunftsfähig und im Sinne ihrer eigentlichen Idee nutzbar zu machen. Wenn wir jetzt potenzielle Probleme aufdecken, hoffen wir, dass dies hilft, solche Technologien in der Zukunft zu verbessern und sie sicherer vor dem Missbrauch durch Cyberkriminelle zu machen.“

Wenn BlockChain eine vielseitige und multifunktionelle Technologie werden soll, müssen wir – wie bei so vielen Produkten und Diensten – eine Möglichkeit finden, sie sicherer zu machen.

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